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Wie Kerstin den Weihnachtsfrieden rettete
Kerstin schreckte auf. Was war das? Hatte da nicht jemand geschrien?
Sie knipste ihre Nachttischlampe an und rieb sich die Augen. Halb sechs. Sie mußte erst in einer Stunde aufstehen. Das Mädchen lauschte in die Dunkelheit. Alles blieb still. Vielleicht hatte sie nur geträumt.
Sie schaltete das Licht aus, mummelte sich in die Decke ein und nahm ihren Bummi fest in den Arm.
Kaum hatte sie die Augen geschlossen, hörte sie wieder laute Stimmen.
Sie zog ihre Latschen an, öffnete leise die Tür und schlich zur Treppe. Unten brannte Licht. Mutti und Vati waren schon aufgestanden.
"Und ich sage es zum letzten Mal, eine echte Tanne kommt mir nicht mehr in die Stube. Wer hat denn die Arbeit mit den Nadeln? Du doch sicher nicht!"
"Nicht so laut! Du weckst noch Kerstin", mahnte der Vater.
"Dann hör auf mit diesem Gesülze von Natur und Umweltschutz. Ich kann es nicht mehr hören!"
Eine Tür fiel ins Schloß.
Nachdenklich kehrte Kerstin in ihr Bett zurück. Schlafen konnte sie nicht mehr.
Als die Schule zu Ende war, ging sie nicht gleich nach Hause, sondern zu ihrem großen Bruder Peter. Er wohnte mit seiner Freundin Elvira in einer kleinen Wohnung im Neubauviertel auf dem Hasenberg.
"Oh Schwesterchen, welch seltener Besuch!", wunderte sich Peter, als er Kerstin die Tür öffnete. "Komm rein!"
"Du mußt mir helfen", bat Kerstin und erzählte vom Streit zwischen Mutti und Vati.
"Was soll ich da tun?", Peter wußte keinen Rat.
"Ich dachte, Du könntest mit mir einen Weihnachtsbaum kaufen... Ganz reicht mein Geld nicht. Aber wenn Du ein bißchen dazugibst... Bitte..."
"Und was sagt Mutti dazu?!"
"Ich hab mir alles genau überlegt", erklärte die 12-Jährige. "Wenn Mutti von Arbeit kommt, muß der Baum schon vor der Tür stehen. Mit einem Zettel dran, daß ich seine Pflege übernehme und auch täglich staubsauge."
"Ideen hast Du!", staunte der große Bruder. "Also gut, komm wir fahren!"


