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Weihnachtskaninchen Putzi
Und wieder nahte das Weihnachtsfest. Es würde ein trauriges
Weihnachten werden.
Mein Opa war gestorben.
Ohne ihn war es einfach nicht mehr so wie früher. Und nun war auch noch mein Vater arbeitslos geworden.
Meine Mutter ließ sich ihre Sorgen nicht anmerken. Sie erzählte uns,
daß dieses Mal der Weihnachtsmann nicht so viele Geschenke bringen könnte. "Aber wir haben ja uns", versuchte sie zu trösten.
Zwei Tage vor Heiligabend durften wir das Wohnzimmer nicht mehr betreten. Immer wieder schlich ich
am Zimmer vorbei und versuchte zu lauschen.
Aber durch das Schlüsselloch konnte ich nicht schauen, denn es war von innen zugestopft.
So mußte ich mich in Geduld fassen.
Am Heiligabend roch es herrlich nach allen möglichen Leckereien, die meine Oma und Mutter vorbereiteten.
Es waren einfache Speisen, wie Kartoffelsalat und Bockwurst, aber meine Familie war es gewöhnt aus wenigen Zutaten ein festliches Mal zu zaubern, denn es fehlte oft an Geld, da mein Vater ein einfacher
Arbeiter war. Aber an dem Wichtigsten fehlte es uns nie: An Liebe und Geborgenheit!
Gemeinsam gingen wir zur Kirche, als es zum Abendgottesdienst läutete. Nur meine Oma blieb
zu Hause.
In der Kirche war es sehr voll. Unruhig rutschte ich auf der Bank hin und her. Wann war
es denn endlich soweit, daß der Gottesdienst zu Ende war. Ich schaute zu meiner Mutter hin, die
lauthals mit sang. Das konnte sie sehr gut. Sie war auch im Gesangverein.
Ich war lieber ruhig, denn singen war nicht meine Stärke. Obwohl es sicher keiner gehört hätte, denn die Frau hinter
mir sang
so laut, daß sie alle übertönte. Nun gab uns der Pastor den Segen. Und schon drängten alle dem
Ausgang zu.
Meine Mutter begrüßte noch eine Bekannte. Ich zog an ihrem Arm, wollte so schnell
wie möglich nach Hause, um zu sehen, was mir denn der Weihnachtsmann gebracht hatte.
Endlich erreichten wir unser Haus. Schon von draußen sahen wir, daß die Lichter des Tannenbaumes
leuchteten. Ich stürmte hinein.
"Aber immer mit der Ruhe", hielt mich meine Oma zurück.
Dann öffnete sie die Tür zum Wohnzimmer. Mein erster Blick galt dem wunderschönen
Tannenbaum, dessen viele Lichter, Lametta, Kugeln mich stark beeindruckten.

Auf dem Tisch stand ein Hexenhaus mit Süßigkeiten behängt.
Unter dem Tannenbaum am Boden stand ein großer Kasten, ganz verhüllt.
Was konnte da bloß drin sein? Vorsichtig entfernte ich das Papier, das oben lauter kleine Löcher
hatte.
Zum Vorschein kam ein graues Etwas, mit einer Weihnachtsmannmütze auf dem Kopf.
Er schüttelte sich, zog mit dem süßen Pfötchen die Mütze von den langen Ohren.
Es war ein Zwergkaninchen. Ich nahm es auf den Arm und streichelte es.

Das war Putzi, unser Weihnachtskaninchen, das schönste Geschenk, das ich je bekommen hatte.

(Die Fotos stammen aus dem Album von Ulrike Klingenberg)


