Familie im Cafe  

    

Mister "Braune Augen"





von Vera Klee



Bettina Wolf hatte Urlaubssperre und kam von ihrer Arbeitsstelle. 
Es war einer der heißesten Sommertage in diesem August mit 30 ° im Schatten. 
Sie mußte täglich mit dem öffentlichen Nahverkehr noch ungefähr 25 Minuten fahren, ehe sie zu Hause war. 
Schon von weitem sah sie eine männliche Person an der Bushaltestelle stehen. 
Er sah recht gut aus: groß, kräftig gebaut, schwarze Haare, salopp aber gepflegt gekleidet, mit einer Aktentasche unter dem Arm. Sie stellte sich neben ihn, um auf den Bus der Linie 30 zu warten. 
Es ergab sich aber keine Gelegenheit dazu, mit ihm ins Gespräch zu kommen, da auch schon der Bus nahte. 
Der unverschämt gut aussehende Kerl stellte sich genau vor ihr hin, um als erster einsteigen zu können. Sogleich stürmte er auf den letzten freien Platz im Bus zu, bevor sie ihn auch nur erreichen konnte. 
Bettina mußte im Gang stehen, drehte sich um und ärgerte sich über sein Benehmen. Er hätte sie ja auch vorlassen können. Sie sah gedankenverloren aus dem Fenster und ärgerte sich noch immer.

Da stand er auf, um seinen Platz einer älteren Dame anzubieten. Zu allem übel stellte er sich nun genau hinter sie. 
Ein Arm im Haltegriff, den zweiten lässig in der Hosentasche. Bettina merkte, daß er sie mit seinen Blicken durchlöcherte. 
Ihr stieg dieser süßliche Duft seines Rasierwassers in die Nase, der ihr sagte, daß er mindestens die halbe Flasche benutzt hatte. Aber diese Sorte roch ansprechend gut und ihr gefiel sein Geschmack. 
Hoffentlich sind wir bald da, dachte sie insgeheim und versuchte einen anderen Platz zu erhaschen. 
Aufgrund des Feierabendverkehrs wurde der Bus jedoch so voll, daß sie sich nicht einen Zentimeter bewegen konnte. 
Unglücklicherweise wurde ihr Hintermann noch gegen sie gedrückt. Aber anstatt sich zu entschuldigen, schaute er sie noch frech mit seinen großen braunen Augen an. Sie war froh, daß sie an der nächsten Haltestelle aussteigen konnte. Als der Bus anhielt, drängelten sich sicher 15 Menschen gleichzeitig nach draußen, wobei ihr Mister "Braune Augen" zu allem übel noch auf die Füße trat. 
"Idiot", dachte Bettina und stürmte hinaus an die frische Luft. 

Gerade, als sie die Eingangstür hinter sich schloß und den Mantel aufgehängt hatte, klingelte es. 
Es war ihr Mister "Braune Augen" aus dem Bus, der freundlich lächelnd vor ihr stand. 
"Hallo, ich bin ihr 18.00 Uhr Termin. Darf ich mich vorstellen: Herr Klinge von der Diezello-Versicherung. Aber ich glaube, wir haben uns soeben unter ungünstigen Bedingungen kennengelernt." 
Seine Augen blitzten verzeihend auf, was ihren Widerstand ihm gegenüber sofort brach. 
"Das kann man wohl sagen!", erwiderte sie, jetzt etwas milder gestimmt.
"Kommen Sie doch herein, sie trinken doch sicher einen Kaffee?"

Mister "Braune Augen" sollte heute ihren Versicherungsschaden aufnehmen. Als sie gemütlich gegenüber saßen, musterte sie ihn erneut. 
Er hatte lustige Grübchen im Gesicht und wenn er sprach, wippte sein Schnauzbart auf und ab. 
Die Augen waren hypnotisierend und es ging eine unsagbare Anziehungskraft von ihnen aus, gegen die ihre Gefühle keinen Widerstand leisten konnten. Seine Schuhe waren Hochglanz poliert, jedoch konnte sie keinen Ehering entdecken. 
Es wurde noch ein schöner Abend, denn nach verrichteter Arbeit blieb er noch lange bei ihr und sie wurden sehr, sehr privat. 
Sie nutzten den lauen Sommerabend, um noch lange auf ihrem kleinen Balkon die Abendsonne zu genießen. 
Sie hatte sich in Mister "Braune Augen" und "Auf-die-Füße-Treter" sehr getäuscht und ihr Herz hüpfte, als er sie um ein erneutes Treffen privater Natur bat, da auch er sich auf den ersten Blick in sie verliebt hatte. 

So hatte sich die erst unangenehme Busfahrt doch noch zu einem Date gewendet und wer weiß, vielleicht wird dieser Sommer trotz Urlaubssperre oder gerade deshalb noch besonders schön?! 

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