Daten des Buches
Originaltitel: "Män kan inte våldtas"
Bokförlaget Trevi Stockholm 1975
Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH Reinbek 1980
Inhaltsangabe
Die geschiedene Mutter zweier fast erwachsener Söhne wird an ihrem 40. Geburtstag vergewaltigt. Und das verändert ihr Leben mit einem Schlag. Sie versucht, allein mit der Demütigung, ihren Ängsten und ihrer Scham
fertigzuwerden.
Tova, die Gewalt sonst immer verabscheut hat, sinnt auf Rache. Sie will ihren Vergewaltiger vergewaltigen.
Bis ins Detail plant sie ihr Vorgehen und kundschaftet den Täter gründlich aus.
Ihren Söhnen gegenüber, die von einem Aufenthalt beim Vater zurückgekehrt sind, schweigt sie über das was ihr passiert ist.
Als sie ihr Vorhaben dann tatsächlich umsetzt und die Polizei ruft, als ihr Peiniger gefesselt auf seinem Bett liegt, lachen die
Beamten sie nur aus und meinen, ihr Opfer müsse sich doch unendlich glücklich schätzen.
Verzweifelt ruft Tova nun den Notdienst und täuscht die eigene Vergewaltigung vor.
Sofort rückt die Polizei an. Doch der Tatbestand, daß eine Frau einen Mann vergewaltigt,
ist im Gesetzbuch nicht vorgesehen und so bekommt Martti Wester (es ist ja seine Wohnung) nur ein Strafmandat wegen Falschalarms aufgebrummt.
Tova bereut, daß sie sich hat zu Gewalt hinreißen lassen.
Immer noch schweigt sie gegenüber ihren Kindern, die sie über alles liebt, bis etwas Schreckliches passiert ...
"Wie vergewaltige ich einen Mann" fesselt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite.
Es greift zahlreiche Probleme auf: Vertrauen und Lüge, Liebe, Sex und Partnerschaft, Gewalt und Gegengewalt und nicht zuletzt die Situation der schwedischsprechenden Minderheit in Finnland, und das ohne sich zu verzetteln.
Das Buch gibt Einblick in das Gefühlsleben einer Frau in den besten Jahren, die mitten im Leben steht und durch eine Katastrophe aus der Bahn geworfen wird.
Kann man so eindrucksvoll schreiben, wenn man solche Situation nur aus der Beschreibung anderer kennt?
3. Zitate aus dem Buch
- "Eine Frau zu haben, die sich dieselben Freiheiten nimmt wie er selbst, ist nicht gerade das, was ein Mann sich erträumt."
- "Was sie vorhat, kommt ihr groß und schwierig vor, fast zu schwierig. Aber so sinnvoll und wichtig, daß sie es unbedingt schaffen muß, obwohl sie am liebsten jetzt schon aufgeben würde."
- "Alles was einem passiert, betrifft auch die Menschen, die man liebt. Unausweichlich. Selbst wenn man nicht darüber redet."
- "Es gibt Probleme, bei denen einem andere Menschen helfen können. Es gibt aber auch Probleme, mit denen man allein klarkommen muß."
- "Auf tausendfache Weise kann ein Mann eine Frau demütigen, nur weil sie eine Frau ist. Und deshalb verleugnen Frauen ihre Weiblichkeit, verdrängen und verachten sie, wollen wie Männer sein, sprechen die Sprache der Männer, mit langen, komplizierten Wendungen und Phrasen, die doch nur die Leere dahinter verdecken sollen."
-"Sie muß ihnen allen zeigen, daß jeder Mensch ohne Unterschied ein Opfer der Gewalt werden kann und das Gewalt in jedem Fall etwas Falsches und Schlimmes ist, ein übergriff, eine
überwältigung, etwas übermächtiges"
- "...daß Gewalt für den, der sie ausübt, noch demütigender ist als für das Opfer, daß aber alle beide eine Rolle dabei spielen und das das Spiel erst dann unmöglich wird, wenn beide sich weigern mitzuspielen..."

