Manu Berg "Das Balg" - Wenn sie morgens





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Wenn sie morgens mit dem Bus zur Arbeit nach Alttal fuhr, sah sie ihn durch die Felder streifen.
Wenn sie aus dem Geschäft zurückkehrte, fand sie ihn hinter seiner Staffelei irgendwo im Dorf sitzend. 
Sie sah ihm beim Malen zu und redete mit ihm über das Bild und Gott und die Welt.
Manchmal traf sie ihn bei der Mutter und ertappte sich dabei, das sie nur deshalb zu ihr ging.

Peter erhielt auch zu Hannas Geburtstag keinen Urlaub. Wie auch? Er war mitten in der Woche!
Im Laden wusste keiner, das sie Geburtstag hatte und mit der Nase darauf stupsen wollte sie auch nicht.

Beim Kaffee nachmittags im Wohnzimmer ihrer Mutter schaute Gerda nur mal kurz rein, weil ihre beiden Kinder Frank und Irene allein zu Hause waren.
Hanna hätte am liebsten losgeheult. So ein blöder Tag! 
Dann klopfte es und Klaus kam. Er schenkte ihr ein Bild mit wunderschönen Teerosen. Sie spürte förmlich deren Duft.
Dankbar umarmte Hanna Klaus und ein leiser Schauer lief ihr den Rücken runter. Ein Gefühl, das sie an zärtliche Stunden mit Peter erinnerte. Mann oh Mann! Die Röte schoss ihr ins Gesicht.
Auch Klaus war verlegen geworden und hatte sich schnell verabschiedet.

Am nächsten Morgen sah sie ihn nicht, als sie nach Alttal fuhr. Und auch nicht, als sie von dort heimkehrte.

Einen Tag später klingelte er kurz nach vier bei ihr. Er wollte ihre Meinung zu seinem neuesten Stilleben hören.

Sie quatschten sich fest. Irgendwann holte Hanna den Erlauer Burgunder aus der Kammer.

Und dann kam Peter. Nicht überraschend, sondern ganz planmässig.
Hanna wollte ihm auch ein Glas holen. Aber dazu kam sie nicht mehr... 

Das hatte sie davon. Ihre Mutter hatte ihr oft genug eingeschärft, dass ein anständiges Mädchen keinen Mann in die Wohnung lässt, wenn sie alleine ist.

Aber Klaus war doch ein guter Freund, der Untermieter ihrer Mutter. Sie hatte sich nichts dabei gedacht. Zugegeben, es knisterte zwischen ihnen ein wenig.
Na und! Sie liebte Peter und das hatte sie auch Klaus gegenüber betont.

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