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über Fräulein Kach konnte sie nicht schreiben. Das ging nicht. Sie wußte zu wenig von ihr. Und es sollten mindestens acht Seiten werden. Die konnte sie sich nicht einfach so aus den Fingern saugen.
Aber, über wen dann? Wer war ihr Vorbild? Hatte sie überhaupt eins? Brauchte sie eins? Richtig ernsthaft hatte sie sich darüber noch nie den Kopf zerbrochen.
Wozu auch? Reichte es nicht, das sie wußte, was sie wollte! Dolmetscherin oder Schriftstellerin werden, eine Familie mit zwei oder vier Kindern haben und einen lieben Mann. Auf keinen Fall drei Kinder. Da war immer eines das fünfte Rad am Wagen. So wie sie selbst und das schmerzte.
Brauchte sie ein Vorbild? Sie wollte doch keinen kopieren. Sie wollte sie selbst sein.
Aber da war dieses blöde Aufsatzthema.
So sehr Ina auch grübelte, sie hatte keine Idee. Warum mußte sie alles auf die lange Bank schieben und erst auf den letzten Drücker erledigen?
Herr Einzel hatte den Aufsatz schon vor über zwei Monaten aufgegeben. Und die Zensuren sollten ausschlaggebend für die Halbjahresnoten in Ausdruck und Rechtschreibung sein. Zeit hätte sie also genug gehabt.
Und dann dieser Lärm! Zum Verrücktwerden.
Tom und Tina sprangen ausdauernd und laut kreischend von oben auf den "Tschaika", das Rollbett, das tagsüber unter dem Doppelstockbett stand und in dem nachts Tina schlief.
"Kommt von meinem Bett runter", fauchte Ina. "Und haltet eure Klappen."
Tom zeigte ihr einen Vogel und Tina steckte ihr die Zunge raus. Sie tobten munter weiter.
Ina wußte, das sie gegen die beiden nicht ankam, brüllte noch einmal ziemlich hilflos "Ruhe" und versuchte sich wieder auf ihre Aufgabe zu konzentrieren.
Das war leichter gedacht, als gemacht. Diese unendliche Leere in ihrem Kopf...
Mit dem Zeigefinger der rechten Hand drehte sie ihre zum Pferdeschwanz gebundenen Haare auf. Einmal, noch einmal. Das Loch, das sie in, die mit Ansichtskarten aus aller Welt vollgepflasterte, Wand vor sich starrte wurde größer und größer. Warum konnte ihr Tisch nicht wie der der Kleinen am Fenster stehen?
Zu gerne hätte sie auf den Hof geguckt. Vielleicht waren ja auch Grit und Andrea da. Sie hätte ihnen wenigstens zusehen können.
Lustlos nahm Ina die "Frösi" , die sie auf dem Nachhauseweg erstanden hatte, in die Hand. Abenteuer mit Korbine Früchtchen, Rätsel-und Bastelseiten. Nichts konnte sie heute fesseln.
Sie klappte die Zeitschrift schnell wieder zu und warf sie in hohem Bogen in die Ecke zu den anderen. Sie landete einen halben Meter davor und blieb dort liegen.
Ina war das schnuppe. Mit ihrem Füller zeichnete sie Strichmännchen und Nikolaushäuser aufs leere weiße Blatt.
Und dabei fiel ihr Frau Grundeis ein. Die Zeichenlehrerin. Seit Ina vom Schulchor, in den Klubrat gewählt und dann gar als Vorsitzende eingesetzt worden war, war sie fast täglich nach dem Unterricht bei der Leiterin des Klubs Junger Künstler an der Schule.
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