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"Steiner - Schleimer" grölten ihr die Jungs aus der Klasse zwei Tage später hinterher, als sie in der großen Pause auf den Schulhof kam.
Ina zog den Kopf ein, als könnte sie sich unsichtbar machen.
Sie suchte Schutz bei den jungen Eichen, die in der Nähe des Zaunes standen.
Aber die Rufe hörten nicht auf. Sie hielt sich die Ohren zu.
Die Schreie schlugen um in Gelächter. Mit dem Finger zeigten sie auf das zierliche Mädchen im graugrünen, viel zu großen Anorak.
Ina fing an zu weinen. Das Gejohle der anderen wurde mächtiger. Sie war allein. Ganz allein.
Warum waren die nur so gemein?
An allem war dieser dämliche Aufsatz Schuld.
Herr Einzel hatte Inas Fleiß gelobt und ihre Arbeit als leuchtendes Beispiel für alle hingestellt.
Sie sei die einzige gewesen, die sich ihr Vorbild in der Familie gesucht und nicht irgendwelchen fernen Idolen aus der Sport-oder Schlagerwelt gehuldigt habe.
Die dicke rote Mappe war durch die ganze Klasse gewandert.
Ina wäre dabei am liebsten in die Erde versunken.
Sie mochte es nicht, wenn man sie in den Himmel hob. Es machte sie verlegen und trieb ihr Röte ins Gesicht.
Sie schmückte sich erst recht nicht gern mit fremden Federn.
Wäre sie doch nur so mutig gewesen, aufzustehen und alles richtig zu stellen. ‚Mein Vater hat den Aufsatz geschrieben. Ich wußte nicht, über wen ich schreiben sollte.'
Das hätte ihr auch viel Ärger eingebracht. Aber mit Kritik konnte sie besser umgehen. Sie war es von zu Hause gewöhnt, daß man kaum ein gutes Haar an ihr ließ.
"Steiner - Schleimer", klang es noch tagelang schmerzhaft in ihren Ohren.
Auch als die Mitschüler die Geschichte längst abgehakt hatten.
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