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Seit einer geschlagenen Stunde hockte Ina hinter einem Riesenberg aus Büchern und Schnellheftern, der sich bedrohlich zur linken Seite neigte und zermarterte sich den Kopf.
Dieser verdammte Hausaufsatz! Nur noch zwei Tage Zeit, etwas auf Papier zu bringen. Aber was nur? Was?
Vielleicht über die Trainerin Fräulein Kach schreiben?
Seit fast zwei Jahren ging Ina zwei, manchmal auch dreimal in der Woche zum Turnen.
Fräulein Kach hatte Solveig und sie damals in der ersten Klasse im Sportunterricht herausgepickt und zum Probetraining eingeladen.
Sie waren geblieben. Vor allem wegen der Trainerin. Die war einfach Klasse. Und was sie sich alles einfallen ließ, um den Ehrgeiz der Mädchen anzustacheln!
Ina war gerade kurz davor, den Preis für die Erste zu gewinnen, die sich aus dem Stand heraus ins Spagat fallen lassen konnte. Hoffentlich kam ihr nicht wieder jemand zuvor! So wie neulich ausgerechnet Solveig. Sie schaffte es als erste sich aus dem Grätschsitz so weit nach vorne zu beugen,
daß der Bauch flach auf dem Boden lag.
Und das nur, weil Ina selbst wegen Grippe nicht zum Training konnte.
Den schokoladenbraunen Knuddelteddy mit den großen, staunenden Kulleraugen hätte Ina auch gerne gehabt. Immer, wenn sie bei Solveig zu Besuch war, linste sie neidisch zum Teddy rüber. Manchmal durfte sie ihn auch auf den Arm nehmen. Solveig war schließlich ihre zweitbeste Freundin. Auch wenn sie jetzt nicht mehr wie früher in der Schule nebeneinander saßen.
Ina war zu Beginn der dritten Klasse in eine Klasse mit erweitertem Russischunterricht gewechselt, Solveig, obwohl sie auch die Möglichkeit dazu hatte, in einer Normalklasse geblieben. Ihre Eltern hatten es so gewollt.
Wie Fräulein Kachs überraschung wohl dieses Mal aussehen würde? So oder so, Ina wollte sie gewinnen. Das hatte sie sich fest vorgenommen!
Vor einer Woche waren die Mädchen am Sonntagnachmittag bei ihrer Trainerin zum Kaffeetrinken eingeladen gewesen.
Fräulein Kach wohnte in einer Dachkammer der Schule. Ihr Zimmer war winzig klein und überall hingen Medaillen und standen Pokale. Wie in einem Museum.
Es gab süßen Kakao und selbstgebackenen Napfkuchen. Mit einem schwarzen Diaprojektor, wie er auch bei Steiners im Schrank stand, hatte Fräulein Kach Bilder von DDR -Meisterschaften im Turnen gezeigt, an denen sie selbst teilgenommen hatte.
Es war noch gar nicht so lange her.
Fräulein Kach beim Pferdsprung und auf dem Schwebebalken. Die Mädchen waren begeistert und natürlich stolz auf ihre Trainerin gewesen.
Sie wollten ihr nacheifern und am liebsten auch mal in der DDR-Auswahl stehen.
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