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Manu Berg "Das Balg"





übersicht



"Meine Schöne", hielt Bernd sie auf. "Komm setz dich, trink mit uns." 
Er stand auf und drängte Hanna auf den Platz neben Peter.
"Ich trinke keinen Wodka", protestierte Hanna, als Peter ihr ein volles Glas hinstellte. "Das weißt du doch!"
"Papperlapapp, du wirst doch ein Schnäpschen mit uns trinken. Mit deiner Mutter säufst du auch immer..."
"Höchstens mal einen Kirschlikör!"
"Ach so ist das: Wodka ist dir nicht fein genug und unsere Gesellschaft auch nicht", Peters Stimme überschlug sich fast. Ärgerlich schob er den Tisch beiseite und baute sich mit in die Hüfte gestützten Händen vor seiner Frau auf.

Hanna wurde bleich.
"Sie hat es doch nicht so gemeint", bemühte sich Bernd zu beschwichtigen. "Wodka ist eben nur was für richtige Männer! Frauen sind viel zu weichlich. Sollen wir dir ein Wasser holen, Hanna? Hahaha... komm, Peter laß uns anstoßen." 
Er ließ sein Glas gegen das seines Kumpels klingen und kippte den Fusel hinter.
Peter beruhigte sich und tat es ihm gleich.

Hanna nutzte die Gelegenheit, um in die Küche zu entkommen.
"Volga, Volga..." die beiden Männer brüllten sich um die Wette die Kehle aus dem Leib. 

Beim Saufen stimmten sie immer russische Volkslieder an. 
Vielleicht weil man auf Russisch besonders gut lallen kann. Peter sprach außer ein paar Begrüßungsfloskeln kein Wort Russisch und die hatte er wie die Lieder bei den vielen Festgelagen und Umtrünken mit Sowjetsoldaten gelernt.

Hanna horchte an der Kinderzimmertür. Alles ruhig. Sie ahnte, daß Ina schlaflos in der Dunkelheit lag und sich die Ohren zuhielt.

Die Saufbrüder waren inzwischen zum deutschsprachigen Liedgut gewechselt und bei ‚Schwarzbraun ist die Haselnuß' angekommen.

Da hatte Peter plötzlich eine Idee: "Hanna, Hanna wo steckst du? Hanna, komm mal her!"
‚Ihr könnt mich mal', dachte sie und gehorchte dennoch.
"Was gibt's?"
"Hanna-Mäuschen, deine Mutter hat doch neulich dieses alte Grammophon angeschleppt und den Riesenberg Platten. Wo ist denn das Zeug?"
"Auf dem Boden."
"Los Bernd, das Ding schnappen wir uns und dann machen wir eine tolle Party!"
"Seid ihr verrückt! Ihr könnt doch jetzt nicht mehr solchen Lärm machen. Bitte, denkt an die Nachbarn", flehte Hanna.
"Weibergewäsch. Es ist noch nicht mal um Acht. Was also regst du dich auf", schob Peter seine Frau unsanft zur Seite.

Früher hatte das Haus Fuchsstraße 6 sechs Wohnungen und zwei Dachkammern gehabt. Die eine zur Aufbewahrung sperriger Gegenstände, die andere als Trockenraum. 
Seit der ausgebaute Trockenraum die Steiner-Wohnung war, mußte die andere Dachkammer, sehr zum Ärger der Hausbewohner, für beide Zwecke herhalten. 
Das war mehr als unangenehm, weil jedem Mieter zusätzlich nur ein winziges Kabuff als Kellerraum zur Verfügung stand.


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