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"Machst du immer noch Hausaufgaben?"
Frau Steiner war unbemerkt ins Kinderzimmer gekommen, schaute ihrer großen Tochter, die gedankenversunken am Füllfederhalter kaute, über die Schulter und riß sie aus ihren überlegungen.
"Hm."
"So etwas Kniffliges", hakte die Mutter neugierig nach.
"Hm." Ina nickte.
"Kann ich dir helfen?"
"Ich muß einen Aufsatz schreiben", brummte Ina genervt.
"Wo ist das Problem? Das kannst du doch gut", versuchte sie ihrer Tochter Mut zu machen.
"Normaler Weise ja. Aber heute... und überhaupt, wer soll bei diesem Krach nachdenken können", schimpfte Ina und blickte vorwurfsvoll zu ihren Geschwistern hinüber.
"Tom und Tina, geht es nicht ein bißchen leiser? Ihr seht doch, Ina muß Hausaufgaben machen!"
"Dürfen wir nicht mal spielen", maulte Tom. "Komm Tina, wir gehen raus."
Der Sechsjährige zog die dreijährige Sprotte hinter sich her. Himmlische Ruhe kehrte ein.
"Aber nicht zu lange", rief ihnen Hanna Steiner noch im Treppenhaus nach. "Papa kommt gleich und dann essen wir Abendbrot!"
Sie behielt recht.
Es klingelte: Zweimal kurz, einmal lang, einmal kurz. Peter Steiner. Er hatte einen Schlüssel, ließ sich aber lieber die Tür öffnen.
Schirmmütze ab, Uniformmantel an die Flurgarderobe, Kuß auf die Wange der Ehefrau. Fröhlich pfeifend nahm er am gedeckten Tisch Platz.
Die Kleinen waren gerade zehn Minuten draußen, da mußten sie schon wieder hochkommen.
Ihre Gesichter sprachen Bände. Nur widerwillig ließen sie sich ins Bad zum Händewaschen schicken.
Peter Steiners Miene hatte sich inzwischen auch verfinstert.
"Schon wieder Leberwurst und Teewurst und dauernd dieses Mischbrot", knurrte er, schob verärgert seinen Teller beiseite und stand auf.
An der Tür stieß er mit Ina zusammen.
"Ach, kommt Madame auch mal zum Essen", begrüßte er sie zynisch.
Ina hatte gelernt, den Mund zu halten, wenn ihr Vater sie anfuhr. Sie schluckte ihren Protest runter und setzte sich.
"Peter, komm doch her. Ich mache dir ein Rührei, ja", bat Hanna ihren Mann. Ina sah, wie sich ihre Mutter verstohlen eine Träne aus dem Gesicht wischte.
Mit einer Schachtel F6 in der Hand kehrte der Vater in die Küche zurück, fingerte sich eine Zigarette aus der Packung und zündete sie an. Die vorwurfsvollen Blicke seiner Frau ignorierte er.
"Mit viel Speck und Zwiebeln", antwortete er, stellte sich an die Spüle und beobachtete, wie Hanna am Herd hantierte.
Mit dem Wiegemesser hackte sie die Zwiebeln hauchfein, den Speck schnitt sie in kleine Würfel.
weiter
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