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"Krieg ich auch ein Rührei?", meldete sich Tom.
"Tut mir leid. Ich habe nur noch zwei Eier."
"Schade", Tom klang traurig und rührte unnötig lange in seinem Teeglas.
So lange bis ihn der Vater mahnend ansah. Sofort verstummte das Klappern.
Ina hätte auch gerne Rührei gegessen. Aber wenn es schon nicht für Tom reichte...
"
Wie war euer Tag heute", fragte Peter Steiner seine Familie.
"Ich war mit Omi in der Bibliothek. Sie hat mir ein Bilderbuch vorgelesen", plapperte Tina, als hätte sie auf diese Frage nur gewartet. Und dann zitierte sie: "Igels machen Samstag früh eine
Segelbootpartie... "
Der Vater schmunzelte.
"Papa, fahren wir auch mal Segelboot", quasselte die Dreijährige weiter und rutschte unruhig auf ihrem Stuhl herum.
"Jetzt ist es dafür zu kalt, Tina. Aber im Sommer. Wenn ihr wollt..."
Tina nickte eifrig.
Hanna Steiner stellte ihrem Mann den Teller mit Rührei hin, setzte sich und schmierte sich eine Stulle mit Butter. Sie streute reichlich grobgehackte Zwiebeln darauf und Zucker darüber.
Ina neben ihr verzog das Gesicht. So ein Fraß.
"Und wie war es bei dir, Tom?"
"Wir haben das "N" gelernt. Ich kann jetzt schon "Tina" schreiben", berichtete Tom stolz.
"Wirklich", staunte Tina. "Das mußt du mir unbedingt zeigen!"
Herr Steiner holte sich ein Bier aus dem Kühlschrank.
"Peter, vielleicht kannst du nachher Ina helfen. Sie muß einen Aufsatz schreiben und kommt nicht klar."
Ina traf der Schlag. Bloß das nicht! Warum mußte Mutter ihr das antun. Sie wußte doch genau, daß Ina lieber ohne Hausaufgaben in die Schule ging, als Vater zu bitten.
Der hatte so eine unmögliche Art. Er wußte immer alles besser. Und die schlechte Note bekam dann sie. So wie neulich in Mathe.
Ina hatte sich an einer Textaufgabe die Zähne ausgebissen. Peter Steiner hatte sie sich kurz angesehen und dann seiner Großen eine Lösung diktiert. Ihre Einwände hatte er mit einer Handbewegung beiseite gefegt. Und Ina bekommt prompt eine Vier, die erste Vier in ihrem Leben.
Zu Hause hatte sie von dem Drama nichts erzählt, um nicht alles noch schlimmer zu machen.
Als Tom noch nicht in die Schule ging, hatten die Eltern ihren ganzen Ehrgeiz daran gesetzt, Ina zur Klassenbesten zu machen. Von schulischen Höchstleistungen wurden nämlich die Betriebe der Eltern informiert.
So ein positiver Eintrag in der Kaderakte wirkte karrierefördernd. Und Unterleutnant Steiner wollte hoch hinaus.
Ina hatte damals meist unter Bahnaomas Aufsicht täglich zwei Stunden Hausaufgaben machen müssen, ob sie welche auf hatte oder nicht. Anfangs tat sie das mit Begeisterung. Später mehr als ungern. Und sie ließ sich immer neue Ausflüchte einfallen, um sich vor dieser gehaßten Pflichtübung zu drücken.
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