Manu Berg "Das Balg" - Ich Idiot





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Ich Idiot', dachte Frau Ebel. ‚Da kommt meine einzige Tochter völlig aufgelöst in der Nacht zu mir und ich bin nicht in der Lage, ihr in Ruhe zuzuhören. Eine tolle Mutter bin ich!'

"Bitte Kind, setz dich und erzähle, bitte!" 

Unbemerkt war Frau Ebel hinter ihre Tochter getreten und führte sie vorsichtig, aber bestimmt zur Couch zurück. Sie strich ihr übers lange braune Haar.
"Bitte Hanna. Ich werde dich auch nicht mehr unterbrechen."

Hanna nahm einen Schluck vom schon fast kalten Tee. Ih, war der süss. Sie schüttelte sich angewidert.

Lange sassen die beiden Frauen wortlos nebeneinander. Die Ältere wagte nicht mehr, zu drängen. Die Jüngere blickte immer wieder nachdenklich zur Mutter, schwieg aber weiter.

Schade, dass Klaus nicht mehr da war. Der hätte Hanna zugehört und sie verstanden. Sie hatte ihm manchmal ihren Kummer ausgeschüttet. Aber vor zwei Monaten war er zurück nach Alttal gezogen. Er hatte das Gezanke mit Peter und die Lästereien im Dorf nicht mehr ertragen können.
Das Dachgeschoß der Mutter, das er bewohnt hatte, stand seither leer.

Hanna musste sich ihre Sorgen von der Seele reden. Wenigstens für einen Augenblick wollte sie sich leichter fühlen. Sie hielt es nicht mehr aus.

"Einmal, als Peter auf Urlaub kam, war Klaus gerade bei mir. Er hatte ein neues Bild fertig und wollte meine Meinung hören. Es war so ein seltsames Stilleben. Brot, Wein, Tanzschuhe und eine Gitarre. Wir haben viel gequatscht und ein Glas Rotwein getrunken. Mehr war nicht. Wirklich nicht.

Peter hat durchgedreht, als er uns da sitzen sah. Wie ein Wilder ist er auf Klaus los und hat ihn regelrecht zusammengeschlagen. Ich hatte versucht, dazwischen zu gehen. Zwecklos.
Klaus ist schließlich mit blutender Augenbraue aus unserer Wohnung geflüchtet.

Und dann war ich dran. Peter hat mich beschimpft und mit der flachen Hand auf mich eingedroschen. Er war rasend vor Eifersucht. Tagelang hat er kein Wort mehr mit mir gesprochen.

Nichts war mehr wie früher. Alles war kaputt. Ich war unendlich traurig, habe viel geweint und wollte mich scheiden zu lassen.
Doch dann merkte ich, das ich schwanger bin. Peter hatte sich so sehr ein Kind gewünscht. Alles würde wieder gut werden. Ich hoffte es so sehr, dass ich anfing, daran zu glauben.

Aber es kam ganz anders. Als ich Peter erzählte, dass ich in anderen Umständen bin, fing er an zu toben und stürzte aus der Wohnung. Am nächsten Morgen, es wurde schon hell, kam er aus der Kneipe zurück.
Ich wurde wach, weil jemand an unserem Schloß rumfummelte und ging nachsehen. Wir begegneten uns im Flur. Er konnte kaum stehen und lallte nur.
Als er mich sah, angelte er den Schirm von der Flurgarderobe und ging damit auf mich los.
Ich schloss mich im Bad ein. Peter drohte, die Tür aufzubrechen. Er brüllte wie ein Irrer und schlug mit Schirm und Fäusten wieder und wieder dagegen.

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