Fast anderthalb Jahre war das her. Anderthalb Jahre, die nicht selten die Hölle waren.
In manchen stillen Stunden gab Hanna sich die Schuld an Peters Sauferei und hoffte, dass er endlich zur Besinnung kommen werde.
In anderen rang sie sich zu dem Entschluß durch, sich scheiden zu lassen. Nur um ihn in der nächsten Sekunde wieder zu verwerfen.
Sie hing an Peter. Er war die Liebe ihres Lebens und hatten sie sich nicht in der Kirche versprochen, sich zu lieben und zu ehren, bis das der Tod sie scheide.
Hanna war sicher, daß er die bösen Wörter, die er ihr an den Kopf schmiss und die so
weh taten, nicht ernst meinte. Er liebte sie doch auch.
Peter hatte früh seine Mutter verloren. Schwindsucht.
Sein Vater war nicht lange allein geblieben. Die neue Frau hatte zwei Brüder mit ins Haus gebracht.
Peter als Ältester musste der Stiefmutter immer unter die Arme greifen. Das nervte ihn. Und so war er froh das er, als seine Schlosserlehre begann, nur noch selten zu Hause war. Und er war auch nicht traurig, dass ihn der Armeedienst an das andere Ende der Republik verfrachtete.
Als er dort dann Hanna, seine erste grosse Liebe kennenlernte, war klar, daß sie in Mecklenburg bleiben würden. Auch weil er das eiszeitlich geformte Auf und Ab der Landschaft liebte. Besonders die Gegend um Feldberg gefiel ihm.
Als sie heirateten war Hanna zwanzig, er zweiundzwanzig. Sie las ihm jeden Wunsch von den Augen ab. Bald schmeckten ihr Karpfen blau mit Buttercreme und der Gulasch wie bei Muttern und so fühlte er sich auch.
Er brachte Hanna Blumen und Weinbrandbohnen ohne Kruste mit und tat fast alles für sie.
Aber wenn er getrunken hatte, war er ein anderer Mensch. Einer, den sie nicht kannte und vor dem sie sich fürchtete.
Nun hatte er sie das erste Mal angegriffen, als sie Ina auf dem Arm hatte. Wie konnte er nur! Das durfte sie sich nicht gefallen lassen. Schon allein der Kleinen wegen nicht.
Sie musste etwas unternehmen! Nur was?
Ihr Blick fiel wieder auf das Bild des Vaters. Er lächelte noch immer.
Gut, daß der nächste Tag ein Sonntag war, sie würde gleich nach dem Aufwachen zum Friedhof gehen und dort eine Antwort finden.

