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Er packte sie am Kragen, riss die Wohnungstür auf und stiess sie in den Flur.
Sein Gesicht war puterrot vor Zorn. Die Augen drohten aus ihren Höhlen zu springen. Seine Stirn rollte sich zu dicken Furchen. Die schwarzen Haare standen wirr. Er schien um Jahre gealtert.
Sie taumelte, war leichenblass. Ihre Augen schrien vor Angst. Mit der rechten Hand presste sie ihr Baby an sich, mit der linken suchte sie am Treppengeländer Halt. Bei jedem Wort, jeder Geste von ihm zuckte sie zusammen. Sie weinte tonlos.
"Du dreckige Hure! Denkst wohl, du kannst mich betrügen", brüllte er und kam näher. Einen Schritt und noch einen.
"Dir werde ich es zeigen!"
Sie duckte sich, um seiner flachen Hand auszuweichen.
Das Kleine fing an zu schreien. Es schrie wie am Spieß.
"Ruhe", forderte eine tiefe Frauenstimme von unten energisch. "Ruhe oder ich ruf die Polizei!"
"Mach die Klappe zu, alte Hexe, sonst komm ich runter!"
Das sass. Eine Tür wurde eilig zugeschlagen.
Peter Steiner griff nach seiner Frau. Er verfehlte sie knapp.
Sie wich einen Schritt zurück. Und noch einen.
Dann fiel sie. So dumpf, als kullerte ein Mehlsack die Treppe runter. Zusammengekrümmt und wimmernd blieb sie auf dem Absatz liegen.
Er drohte wütend mit der Faust in ihre Richtung und verschwand hinter der Wohnungstür, die krachend ins Schloss fiel.
Als Hanna zu sich kam, war es dunkel um sie herum und totenstill. Sie hob langsam den Kopf und setzte den linken Fuss ein wenig auf. Ein bohrender Schmerz zog vom Knie herauf. Es fühlte sich feucht an. Blut. Hannas Kopf raste. Schweiss trat auf ihre Stirn. Im Bauch drehte sich eine Wäschetrommel. Sie spürte wie ihr die Sinne schwanden.
Da regte sich etwas neben ihr. Ina. Sie hatte die Kleine völlig vergessen.
Schuldbewusst nahm Hanna die Tochter auf den Arm, tastete sie vorsichtig ab und lauschte ihrem Atem. Alles in Ordnung. Gott sei Dank. Sie hauchte Ina einen Kuss auf die Wange und richtete sich mühsam auf. An der Wand entlang tastete sie sich zum Lichtschalter vor.
Das grelle Licht irritierte beide. Inas Lider zuckten geblendet und auch Hannas Augen mußten sich erst an die Helligkeit gewöhnen.
Und da stand sie nun. Was sollte sie tun? Wo sollte sie hin? Zurück in ihre Wohnung? Peter schlief seinen Rausch aus. Aber wenn nicht?
Ihr graute bei dem Gedanken. Nein, um nichts in der Welt!
Sie biss die Zähne zusammen und schlich auf Zehenspitzen die restlichen Stufen hinab. Nur keinen Lärm machen! Bloss nicht noch mehr Aufsehen!
Schlimm genug, daß die Wuttke alles mitgekriegt hatte. Dieses Waschweib! Bald würde das ganze Dorf Bescheid wissen.
Bis zur Mutter war es nicht weit. Zweihundert, dreihundert Meter.
Der Wind fauchte eisig.
Es war Ende September und der kurze Sommer endgültig vorbei. Hanna fröstelte. Sie trug nur die dünne, kurze Kittelschürze mit den grossen Kornblumen, wie immer bei der Hausarbeit. Ihre Füsse, die in Klapperlatschen steckten, waren Eisklumpen. Umkehren konnte sie nicht.

