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"Drushba, Freundschaft, Drushba, Freundschaft"
Ina hatte Mühe, beim Klatschen im Takt zu bleiben. Sie sang begeistert mit.
Wie alle anderen Zuschauer war sie aufgestanden, um die Künstler zu feiern.
Tränen der Rührung standen ihr in den Augen. Die Herren in der ersten Reihe mit ihren grauen Anzügen versperrten ihr die Sicht. Sie mußte sich auf die Zehenspitzen stellen, um alles sehen zu können.
Endlich kam das Stichwort und ihr großer Augenblick:
Gemeinsam mit fünf anderen Mädchen aus ihrer und der Parallelklasse, alle mit dunklem, kurzem Rock, Pionierbluse und blauem Halstuch gekleidet, stieg Ina die vier Stufen zur Bühne hinauf. Langsam und würdevoll. Wie sie es geübt hatten.
In der einen Hand einen Nelkenstrauß, in der anderen einen riesigen rosaroten Plüschhasen.
Die Kinder bauten sich vor den Künstlern auf, knicksten artig und überreichten die Präsente.
Zum ersten Mal war Ina nicht traurig, daß sie die Kleinste in der Klassenstufe war. Zum allerersten Mal. Sie durfte Serjosha das Plüschtier geben. Er war das einzige Kind im Volkskunstensemble aus dem fernen Petrowa, das zur Unterzeichnung des
Freundschafts- vertrages nach Alttal angereist war.
Serjosha war kaum älter als die Mädchen. Aber wie der über die Bühne gewirbelt war! Sagenhaft!
Und dann thronten Ina und Serjosha auf den Schultern der beiden Balalaikaspieler hoch über dem Saal und wurden bejubelt.
"Drushba, Freundschaft, Drushba, Freundschaft. Vsegda my vmeste, Vsegda my vmeste, GDR i Sovietskij Sojus!"
Inas Russisch war noch schlecht. Aber diese Worte verstand sie: Immer sind wir vereint, DDR und Sowjetunion. Sie meißelten sich in ihren Kopf und gruben sich in ihr Herz.
Zwei Tage später besuchte sie mit der Klasse erneut ein Konzert der Künstler.
Dieses Mal im bis auf den letzten Platz mit Kindern gefüllten Theatersaal des Kulturhauses.
Ina hatte sich fein gemacht. Zum grauen Plisseerock trug sie den neuen ockerfarbenen Rollkragenpullover, den ersten Pullover, den ihr ihre Eltern gekauft hatten. Sonst trug sie Sachen von Püppi, der Tochter von Bahnaomas Nachbarin auf. Gute Stücke. Alle aus dem Westen. Aber eben schon gebraucht.
In Inas lange, dünne Zöpfe hatte Mutti ockerfarbene Schleifen gebunden. Und wie alle anderen Kinder hatte Ina ihr blaues Halstuch um.
Während der ganzen Veranstaltung hatte das Mädchen nur Augen für Serjosha. Wie sie die Kleine beneidete, die ihm zum Schluß des Konzertes Blumen überreichen durfte. Allzu gerne wäre sie an ihrer Stelle gewesen.
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