Die Mutter horchte auf. So kannte sie ihre Tochter nicht.
"Mädchen", versuchte sie Hanna zu besänftigen. "Mädchen!"
"Hätte ich ihn nur nie geheiratet..."
"Aber, ihr wart doch immer so glücklich!"
"Glücklich? Wir?" Hanna sah kurz auf. "Ach, was weißt du schon!"
Sie biss sich auf die Lippen. Vielleicht sollte sie besser die Klappe halten. Was hatte sie schon von ihrer Mutter zu erwarten. Die hatte immer auf Peters Seite gestanden.
Aber Hanna konnte nicht mehr. Sie musste reden, endlich mit jemandem über alles sprechen. Ein bisschen abgeben von der Verzweiflung, die sie innerlich ausbrannte.
Hanna warf ihrer Mutter noch einmal einen prüfenden Blick zu und fing an zu erzählen.
"Erst gab er mir die Schuld, dass ich nicht schwanger wurde und als ich es endlich war, als ich endlich schwanger war, ging das Drama los. Er fing an zu saufen...".
"Aber Hanna, Peter trinkt doch nicht. Das ist absurd. Völlig absurd!"
Hanna hielt es nicht mehr auf ihrem Platz. Das sah ihrer Mutter ähnlich.
"Ach, du hast keine Ahnung", schrie sie los. "Nicht den leisesten Schimmer! Selbst Frau Becker im Konsum weiss Bescheid. Bei dir, da spielt er auf heile Welt und kommt damit durch. Aber was sich bei uns abspielt..."
"Das glaub ich nicht! Das kann nicht sein. Peter ist so ein Lieber. Mir hat er schon oft Blumen mitgebracht. Alle beneiden mich um diesen Schwiegersohn!".
"Wie kannst du nur so blind sein!"
Und dann leiser, zaghafter, um Verständnis ringend: "Peter meint, Ina sei von Klaus. Das reibt er mir bei jeder Gelegenheit unter die Nase!".
"Von Klaus? Blödsinn!" Frau Ebel schüttelte unwirsch den Kopf.
"Ja, wem sagst du das. Aber, ... aber Peter hat sich in den Gedanken verrannt!"
"Quatsch! Wie sollte er auf solchen Unsinn kommen? Komm setz dich wieder Hannele. Bitte!"
"Lass mich", knurrte Hanna zornig.
Sie ging zum Fenster und sah hinaus in die Dunkelheit. Es war, als sähe sie in sich hinein. Finsternis, überall Finsternis. Nur hin und wieder ein einsamer lichter Fleck.

