Familie im Cafe
   

    

Manu Berg "Das Balg"





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"Bernd, mein Freund, ich dachte schon, ich muß auf der Treppe übernachten!" 

Die frische Luft schien Peter gut getan zu haben, sein Gang war sicherer. Die Stimme fester.
"Stell dir vor, dieses Luder an der Kasse wollte mir nichts verkaufen! Heimgeleuchtet habe ich dem Weibstück! Die Gesetzesstelle sollte sie mir zeigen. Hahaha. Konnte sie natürlich nicht, die Schnecke. Hahaha..."

Peter packte den Inhalt des rotblau-geblümten Dederonbeutels auf dem Wohnzimmertisch aus. Eine 0,7 Literflasche Klaren, eine 0,5 Literflasche Weinbrand, zwei Pils.
"Wo steckt denn Hanna? Ich habe ihr extra eine kleine Kirsch gekauft, damit die gnädige Dame mit uns anstoßen kann."
"Die hat sich wohl schlafen gelegt."
"Das wird ja immer schöner, wir haben Besuch und Madame geht ins Bett. Aber nicht mit mir!"
Er schenkte sich und seinem Kumpel Klaren ein, prostete ihm zu und leerte das Glas in einem Zug.
"Leg mal Musike auf. Ich bin gleich zurück."
Wenig später schallte es "Oh mein Papa..." durch die Stube. "Lauter", befahl Peter und sang kräftig mit,
"war eine große Künstler, oh mein Papa war eine schöne Mann... "

"Hanna, mach keinen Quatsch und komm raus!"
Als Peter die Klinke der Schlafzimmertür runter drücken wollte, merkte er, daß abgeschlossen war. 
Das brachte ihn auf einhundertachtzig.
"Du tickst wohl nicht mehr richtig! In meiner Wohnung werden keine Türen verrammelt. Komm sofort raus, auf der Stelle!"
Nichts rührte sich.
"Hast du mich verstanden? Du sollst rauskommen! Sofort! Sonst, sonst hole ich das Brecheisen!"
Nichts rührte sich.
"Ich zähle bis fünf. Eiinnns, zwwweei, drrreeeii, viiieer..."

Die Tür ging einen Spalt auf und Hanna sah verschlafen raus.
"Was machst du für einen Lärm? Du weißt genau, ich muß früh raus", Hanna gab sich große Mühe, ihre Angst zu verbergen. Ihre Stimme flatterte.
Zu Hannas Erstaunen gab sich Peter mit ihrer Antwort zufrieden.

Der Abend ging glimpflich aus, weil Anna kam und ihren Bernd holen wollte und Hanna alle drei zu einem starken Kaffee überreden konnte.
Und Ina, die in der Ecke an der Kinderzimmertür gehockt hatte, traute sich endlich, ins Bett zu gehen und zu schlafen. Noch hatte sie sechs Stunden Zeit bis sie aus den Federn mußte.


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