Alptraum
Schweißgebadet wache ich auf.
Stürze ans Fenster.
Bin ich froh.
Es war nur ein Traum.
In der Stille der Nacht ein leiser metallener Ton.
Erst hier, dann dort, dann überall.
Er wurde laut und lauter,
schwoll an zum Orkan.
Es klapperte und ratterte,
es qualmte und dampfte,
es schepperte und quietschte.
Räder ächzten, Motore stöhnten.
Dicht an dicht rasselten sie die Strasse entlang.
Ein gespenstischer Zug.
Sie krochen hervor aus ihren Mauselöchern,
ihren heimlichen und unheimlichen Verstecken.
Einst gewienert, nun aufs Altenteil gestellt und vergessen.
Sie quollen aus Wäldern, von Feldern, vom Straßenrand,
aus Garagen, vom Kinderspielplatz.
Wie bei einem Reigen, jeder machte mit.
Überall invalide, blecherne Ameisen.
Sie walzten alles nieder, was ihnen entgegen trat.
Auf Krücken gestützt, schlängelten sie sich durch Dörfer und Städte.
Es wurden mehr, immer mehr.
Dort flog ein Scheunentor auf,
ein eingestaubter Veteran kullerte auf die Straße.
Die anderen ließen ihm Platz in der endlosen Reihe.
Ein See begann zu toben,
seine Oberfläche wölbte sich, bäumte sich auf.
Dann spie er sie aus.
Die Karre landete in einer Parklücke.
Mit dem Morgen erwachte die Stadt.
Die Nacht hob ihren Schleier.
Ich blickte aus dem Fenster. Verstopfte Straßen.
Eine riesige Blechwüste.
Buchstaben an demolierten Frontscheiben.
Mein Name stach mir in die Augen.
Ich schämte mich.
Es war nur ein Traum.
(aus 1992)

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