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Der Vater






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Der Vater

Carl Spitteler (1845-1924)


Mit einem Trupp entschlossener Gesellen
Entwich im Traum ich heimlich übers Weltmeer.
In finstrer Nacht erreichten wir die Heimat.
Die einen hielten mit gespannter Büchse
Am Tor der Kirchhofmauer Wacht. Der Rest
Versah die Pferde. Nach dem Grab des Vaters
Schlich ich hinüber, und mit banger Hast,
Verhaltnen Atems, fing ich an zu schaufeln.
Ich grub und grub. In bodenlose Tiefen
Tauchte der Spaten. Doch vergebens. "Vater",
Rief ich, am Boden hingestreckt, "ich bins !
Die Pferde stehn bereit! Auf! laß uns fliehn!"
Da stand er plötzlich neben mir; leibhaftig
Und wahr, als wär er niemals tot gewesen.
Nur etwas müde. Mit den Händen faßt
Er meinen Arm; sein Auge bliebgeschlossen,
Und wie im Traume lallte seine Zunge.

Ich hob ihn rasch aufs Pferd. Und während wir
Mit hoffnungsfrohem Mut von dannen sprengten,
Begann ich ihm von Völkerkrieg und Frieden,
Und was sich andres seither zugetragen,
Zu melden und zu schildern. Muntrer wurde
Sein Angesicht, und öfters nickt er lächelnd.

Allmählich aber schlottert er im Sattel.
Der Körper sank, die Hände suchten Stütze.
Unruhig schüttelt er den weißen Bart.
Dann flüstert er mit tonverlaßner Stimme:
"Es wird mir doch zu schwer. Ich möchte ruhn."

Und während ich ihn aus dem Sattel hob,
Entdeckt ich plötzlich, daß ihm eine Wunde,
Vom Hemd verdeckt, die mächtige Brust zerfraß.
War alles hohl inwendig, gleich als wenn er
Unter der Haut nicht Fleisch und Bein mehr hätte.

Und ich begriff, daß ich ihn nie mehr rette.


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