Die Hexe von Menzing





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Die Hexe von Menzing

Sage aus Bayern

Ein Bursche ging einmal zur Nachtszeit zum Kammerfenster seiner Geliebten, die im Dorfe Menzing an der Würm wohnte.

Als er sich dem Hause näherte, sah er das Zimmer der Dirn hell erleuchtet und als er neugierig hineinblickte, sah er, wie das Mädchen einen Bund Stroh zusammenrichtete und denselben mit allerlei Bändern und Flitterwerk zierte.

Nach einigem Zögern klopfte der Bursche an das Fenster und fragte sie, was sie denn mache.

Sie antwortete: Ich fahre aus; wenn du mit mir reisen willst, so kannst du dich zu mir setzen. rede aber kein Wort, sonst wirst du unglücklich.

Der Bursche war neugierig, un wollte wissen, was seine Geliebte treibe, stieg hinein und setzte sich auf den Bund Stroh mit dem Versprechen, zu schweigen.

Das Mädchen nahm eine Büchse aus der Tasche ihres Kleides, bestrich sich und dem Geliebten mit einer Salbe die Nase und begann darauf die Reise.
Diese ging durch den Kamin hinaus und dann durch die Luft fort und fort in weit entfernte Gegenden.

Einmal fuhren sie ganz nahe an einem Weinkeller vorüber, wo man eben mit Lichtern beschäftigt war.

Da der Flug etwas niedrig ging, glaubte der Bursche, die Leute, die dem Strohbunde so nahe kamen, möchten ihn anzünden, und in der Angst schrie er auf.

Augenblicklich lag er auf dem Boden, während die Dirne mit dem Strohbunde seinen Blicken entschwand und ihre Luftreise unbekümmert fortsetzte.

Der Keller, bei dem er auf den Boden gelangte, lag bei Wien.

Zufällig war der Kellermeister ein alter Bekannter des Burschen, den er früher in München getroffen hatte.

Mit seiner Hilfe gelang es ihm, seine Reise in die Heimat zu bewerkstelligen.

Als er wieder nach Menzing kam, traf er seine Geliebte auf dem Felde bei der Arbeit.

Die Vorwürfe, die er ihr machte, rührten sie nicht, sondern sie sprach bloß: "Ich habe dir gesagt, du sollst schweigen; hättest geschwiegen, so hättest du mit mir auf den Blocksberg zum Tanz fahren können. Ich war dort recht lustig und bin in vierzehn Tagen schon wieder zu Hause gewesen, während du einen schönen Umweg hast nehmen müssen.