Anekdote: Seine Methode von Erich Mühsam





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Inhaltsverzeichnis Anekdoten

Ich sass mit Peter Altenberg im Café Central in Wien.
Nach einer Weile trat der ausserordentlich reiche und als sehr geizig bekannte Bankier v. L. ein und setzte sich zu uns.
Da P.A. deutlich genug erkennen liess, daß er von der Bereicherung unsrer Gesellschaft gar nicht sonderlich erbaut war, bestellte Herr v. L. Sekt.
Aber Peters Zorn brach trotzdem los:
"Weil Sie uns Sekt bezahlen, bilden Sie sich jetzt ein, Sie wären unsre Würzen! Im Gegenteil! Wir sind Ihre Würzen! Sie kommen daher, um unsre Unterhaltung zu schinden – das ist es! Jedes Wort, das Sie von uns hören, ist hundertmal mehr wert als aller Sekt, den Sie uns überhaupt bezahlen können!" "Gewiss", sagte der Bankier höflich. "Ich sehe das vollständig ein; ich würde mich ja auch gern besser erkenntlich zeigen."
"Das können Sie haben", gab ich zurück. "Rücken Sie zwanzig Kronen raus, damit ist uns mehr geholfen als mit ein paar Gläsern Champagner!" "Aber das ist doch nicht Ihr Ernst!" meinte der Millionär.
"Natürlich ist das mein Ernst!"
Und ich hielt die Hand hin.
Zögernd kam die Brieftasche zum Vorschein. Zögernd und immer noch in der Hoffnung, ich werde das Geld nicht nehmen, langte Herr v. L. nacheinander zwei Zehnkronenscheine vor.
Ich nahm sie in Empfang und reichte sofort einen über den Tisch:
"Hier, Peter, das Geld haben wir uns redlich miteinander erworben. Das teilen wir."
"Unter keinen Umständen nehme ich Ihnen das Geld ab", erklärte P.A. "Das ist Ihr Geld. Sie haben Ihre Methode, und ich hab meine Methode!"
Alles Zureden half nichts. Peter Altenberg blieb fest, und ich steckte die zwanzig Kronen ein.

Das Gespräch ging nun etwas lebhafter vonstatten, denn P.A. hatte sich sichtlich amüsiert, den Geizkragen "gewürzt" zu sehen.
Nach vielleicht einer Stunde verliess Herr v. L. das Kaffeehaus. Aber kaum hatte er die Tür hinter sich zugemacht, da sagte Peter:
"Wissen Sie, Mühsam, Sie können mir die zehn Kronen eigentlich doch geben!"
Das war seine Methode.