Anekdote: Beleidigungsklage von Erich Mühsam





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Inhaltsverzeichnis Anekdoten

In der Münchener Ortsgruppe des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller hatte es Krach gegeben, in dessen Verlauf Carl Rößler dem Verhandlungsleiter Reinhold Ortmann zurief:
"Sie sind ein unanständiger Mensch!"
Die Folge war eine Beleidigungsklage.
Rößler wohnte damals in derselben Pension wie ich, und wir waren täglich beisammen. Der Konflikt mit dem Engelhorn-Autor versetzte ihn in eine höchst kämpferische Stimmung:
"Der Kitschier, der elendige!" schrie er. "Er soll mich nur verklagen. Ich werd's ihm beweisen, dass er ein unanständiger Mensch ist. Mögen sie mich zu 1000 Mark verurteilen – und wenn sie mich einsperren – ich nehme kein Wort zurück! Hier gibt's keinen Vergleich! So ein Schmierfink! So ein erbärmlicher Nichtskönner, dieser Marlittschmock!"
Michael Kohlhaas war ein friedfertiger Schlappschwanz gegen Carl Rößler.
Und so ging es wochenlang. Man brauchte nur anzutippen, und alle Schleusen der Wut öffneten sich gegen den armen Reinhold Ortmann.
Eines Vormittags kam ich zu Rößler ins Zimmer, um ihn abzuholen. Er sass am Schreibtisch. "Ich schreibe grade an Ortmann", erklärte er, "hör mal zu."
Zu meinem masslosen Erstaunen las er mir nun seinen Brief vor. Er nehme die im Eifer der Erregung gegen Ortmann geäusserte Beleidigung mit dem Ausdruck des tiefsten Bedauerns zurück; erkläre sich bereit, alle bereits dem Kläger erwachsenen Kosten zu tragen, und hoffe als alter Verehrer der Werke Reinhold Ortmanns auf dessen Verzeihung und auf die Zurückziehung der Klage.
"Aber", fragte ich völlig konsterniert, "du hast doch gestern noch –"
"Nun ja, da ist heute die Vorladung gekommen. Der Termin ist in der Früh um halb neun; ich kann doch nicht mitten in der Nacht aufstehn!"